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Füchsin auf Innovationskurs

Cathleen Tschirch war bei der Nordrhein-Hallenmeisterschaft wieder da, wo sie sich am wohlsten fühlt: an der Spitze eines 200-Meter-Feldes. Nicht unbedeutend: die Routine der Dresdenerin, die nach einem Intermezzo im Weserbergland nun in Leverkusen zuhause ist. Und Rückschläge zu verdauen hatte.

  23,66 Sekunden – gut, aber noch keine Offenbarung. Und dennoch eine Bestandsaufnahme. „Für mich persönlich war es in erster Linie wichtig, überhaupt durchzulaufen und zunächst einmal die Norm für die Deutsche Hallenmeisterschaft zu erfüllen“, kommentierte die 31-Jährige. Analytisch betrachtet demonstrierte sie dabei eindrucksvoll, dass sie den Bogen wieder raus hat. Locker anlaufen ging nicht. Denn Trainingspartnerin Mareike Peters saß ihr mit ebenso trommelndem Schritt im Nacken. Bis auf die Zielgerade. Doch hier ließ Cathleen Tschirch jede Zaghaftigkeit beiseite. Durchtrainiert, sehnig und langgliederig, locker bis in die Zehenspitzen, trommelten ihre Beine auf die Bahn, als wäre es ein Jazz-Solo. Gelassen und gelöst fand die erfahrene Füchsin zu alter Lockerheit zurück. So, als wolle sie förmlich herausrufen: „Seht her, wer mich zu früh beerdigt hat, wird jetzt eines Besseren belehrt.“
Blinddarmoperation
Nach den Tiefschlägen des letzten Jahres scheint sie wieder obenauf. Zwei Virusinfekte im Winter, die sich immens aufs Immunsystem niedergeschlagen haben und eine Blinddarm-Operation im Sommer hatten die Sportsoldatin vollkommen aus der Bahn geworfen. Und zu einem neuen Selbstverständnis veranlasst. Die doppelte deutsche 200-Meter-Meisterin von 2007 musste zwangsläufig umdenken. Kaum war der Blinddarm raus-wollte sie allzu forsch zurück auf die Kunststoffbahn. Bereits vier Wochen nach dem chirurgischen Eingriff schnürte Cathleen Tschirch wieder die Rennschuhe – besessen von der Idee, das in Berlin von ihr mit erkämpfte Staffel-Bronze toppen zu müssen. Getrieben vom Ehrgeiz, den bei der EM in Barcelona absehbaren nächste Husarenritt des deutschen Quartetts zu optimieren. Gesundheitliche Risiken wurden buchstäblich in den Wind geschossen. „Das war schlichtweg unvernünftig“, weiß die Vollblut-Sprinterin heute.
Alternativ-Training

Vollkommen genesen und motiviert bis in die Fußspitzen hat sie nun aber wieder Anlauf genommen, um ihren Platz in der Nationalstaffel zurückzuerobern. Ziel ist die WM in Daegu. Und natürlich London. „Aller guten Dinge sind drei“, schmunzelt Cathleen Tschirch bezogen auf ihre olympischen Einsätze in Peking und Athen.

Um aufstrebende Nachwuchskräfte auf der Wartebank verweilen zu lassen, haben die Sprinterin und ihr Trainer Karl-Heinz Düe sich neu orientiert. Alternative Methoden und Übungen wurden ins Programm aufgenommen. Unter anderem um Dysbalancen zu vermeiden. Dabei steht Markus Fuss Pate, ein Bewegungs-Coach und Neurophysiologe aus Karlsruhe. „Er imponiert mir sehr und mit seinen Methoden kann ich viel anfangen“, weiß die gelernte Physiotherapeutin, wovon sie spricht. Nämlich Inspirationen und Variationen, die nichts mit landläufigen Dehnübungen, Berge hochsprinten und Fußgelenkarbeit zu tun haben. Hinke-Lauf und Oberschenkelrückseiten-Stärker, das sind nur zwei Facetten des umfangreichen Repertoires. Elemente, die Abwechslung in den Trainingsalltag bringen. Und mental ungeahnte Kräfte freisetzen. Wie auch die Partnerschaft mit Björn Otto. „Sicher ist die Leichtathletik bei uns ständiges Thema, aber nicht der Faktor, der unseren Mittelpunkt ausmacht“, sagt Cathleen Tschirch. Gewiss, beiden sei es 2010 sportlich nicht gut gegangen. Aber eine Belastungsprobe für die Beziehung? Keineswegs. Eher umgekehrt: eine Herausforderung. „Er baut mich auf, wenn ich nicht gerade Freudensprünge mache. Und auch ich habe ihm oft das Bein massiert. Aber wichtig war vor allem die mentale Unterstützung“, sagt die Sprinterin über ihren stabhochspringenden Lebensgefährten. Der WM-Fünfte von Osaka möchte sich am 26. Januar beim Cottbuser Springer-Meeting für die Hallen-EM in Paris empfehlen. Dann wird Cathleen Tschirch mitfiebern. So wie ihr Partner es am Wochenende bei ihrem Comeback in Leverkusen getan hat.

Harald Koken
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 18. Januar 2011 )